Nachhaltiges Quality Engineering nützt nicht nur der Umwelt 
(2/3)

Nachhaltiges Quality Engineering nützt nicht nur der Umwelt 
(2/3)

Einleitung

Im ersten Teil dieser Blogserie haben wir die verschiedenen Dimensionen der Nachhaltigkeit vorgestellt und deren Zusammenhang mit dem Quality-Engineering-Prozess analysiert. Im zweiten Teil geben wir konkrete Empfehlungen zur Verbesserung der Nachhaltigkeit von Quality-Engineering-Aktivitäten und stellen die UN Sustainable Development Goals vor.

Empfehlungen für
nachhaltiges Quality
Engineering

Ausbildung

Nachhaltigkeit ist in der Ausbildung von Quality Engineers meist kein zentrales Thema. Auch wenn die angehenden Fachkräfte nicht mit allzu viel theoretischem Hintergrund-wissen belastet werden sollten, sind wir der Ansicht, dass zumindest die folgenden Grundkonzepte in die Lehrpläne aufgenommen werden sollten:

Testmanagement

Da Testmanager für viele Entscheidungen verantwortlich sind, die sich auf die Nachhaltigkeit auswirken, ist es besonders wichtig, ihr Bewusstsein für dieses Thema zu schärfen.

Zu den typischen Zielen gehören die Vermeidung der Verschwendung nicht erneuerbarer Ressourcen, der Klimaschutz sowie die Schaffung langlebiger und wartungsfreundlicher Produkte.

Testentwurf

Testentwurf

Code Quality Engineering

Testausführung

Quality Engineering und KI

Modell-basierter Test

Lasttest

UN Sustainable Development Goals

Überblick

Im Jahr 2015 verabschiedeten die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals oder SDGs), die soziale, wirtschaftliche und ökologische Nachhaltigkeit umfassen. Dabei ist zu beachten, dass sich eine Maßnahme in einem Bereich auf die Ergebnisse in den anderen Bereichen auswirken kann.

Sustainable Development Goals

https://unric.org/de/17ziele/#sdg-de-ziele

Auch wenn nachhaltiges Quality Engineering nicht für alle diese Ziele gleichermaßen wichtig ist, kann es direkten oder indirekten Einfluss auf die folgenden Bereiche haben:

Einfluss von Quality Engineering

Hochwertige Bildung

Ziel 4: Hochwertige Bildung

SDG 4 zielt darauf ab, eine inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung zu gewährleisten sowie Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle zu fördern.

Ein professionelles Zertifizierungssystem für Quality Engineering unterstützt die Ziele 4.3 (Zugang zu erschwinglicher und hochwertiger technischer Bildung) und 4.4 (Erhöhung der Anzahl von Erwachsenen mit relevanten technischen Kompetenzen). Zudem wirkt es sich positiv auf die Förderung von IT-Technologien in Entwicklungsländern aus (Ziele 4.B und 4.C). Die Einbeziehung von Nachhaltigkeitsaspekten in die Lehrpläne verbessert die Ausbildung von Testern und hilft ihnen, ihren CO2-Fußabdruck zu verringern.

Quality Engineering – insbesondere im Kontext von Bildung, Software und organisatorischen Prozessen – kann auf vielfältige Weise eine bedeutende positive Wirkung entfalten:

Bezahlbare und saubere Energie

Ziel 7: Bezahlbare und saubere Energie

SDG 7 zielt darauf ab, den Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und moderner Energie zu gewährleisten.

Wie im vorangegangenen Teil dieses Blogs dargelegt, hat der IKT-Sektor einen erheblichen Einfluss auf den Energieverbrauch. Verschiedene Aspekte des Quality Engineering wirken sich maßgeblich auf das Ziel 7.3 (Verbesserung der Energieeffizienz) aus – sowohl durch einen geringeren Energieverbrauch bei Softwaretests als auch durch die Entwicklung energieeffizienterer Software.

Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum

Ziel 8: Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum

SDG 8 zielt darauf ab, dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle zu fördern.

Die Ziele 8.2 (höhere wirtschaftliche Produktivität) und 8.4 (Verbesserung der weltweiten Ressourceneffizienz) werden durch verschiedene Aspekte des Quality Engineering unterstützt. Zudem wirkt sich ein Zertifizierungssystem positiv darauf aus, Menschen den Zugang zu Bildung und menschenwürdigen Arbeitsplätzen zu ermöglichen (Ziele 8.5 und 8.6).

Quality Engineering kann dieses Ziel auf wirtschaftlicher, sozialer und organisatorischer Ebene positiv beeinflussen:

Industrie Innovation und Infrastruktur

Ziel 9: Industrie, Innovation und Infrastruktur

SDG 9 konzentriert sich auf den Aufbau widerstandsfähiger Infrastrukturen, die Förderung einer inklusiven und nachhaltigen Industrialisierung sowie die Stärkung von Innovationen.

Wie bereits bei den Zielen 4 und 7 erläutert, kann ein Zertifizierungssystem für Quality Engineering die technischen Kapazitäten von Entwicklungsländern verbessern und die Ressourceneffizienz fördern (Ziele 9.4 und 9.5).

Quality Engineering spielt eine Schlüsselrolle bei der Unterstützung dieses Ziels, indem es sicherstellt, dass technologischer Fortschritt zuverlässig, widerstandsfähig und verantwortungsvoll gestaltet wird:

Massnahmen zum Klimaschutz

Ziel 13: Maßnahmen zum Klimaschutz

SDG 13 konzentriert sich auf dringende Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen.

Wie bereits im Zusammenhang mit Ziel 7 und in unserer Analyse dargelegt, kann Quality Engineering durch eine verbesserte Energieeffizienz erheblich zur Verringerung der Treibhausgasemissionen beitragen. Zudem würde die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in die Lehrpläne für Quality Engineers die Ausbildung verbessern und das Bewusstsein für Fragen des Klimawandels schärfen.

Ausblick

Der dritte Teil dieses Blogs wird sich der kontroversen Frage „Sustainable Quality Engineering vs. KI“ widmen und Fragen beantworten wie: „Wo liegen die Konfliktbereiche?“ und „Welche Synergien und Chancen ergeben sich daraus?“.

Die D.A.CH-Boards des ISTQB beschäftigten sich derzeit mit dem Thema „Nachhaltiges Quality Engineering“. Mitglieder der Arbeitsgruppe sind Lilia Gargouri und Dietrich Leimsner (GTB), Alessandro Sebaste und Reto Armuzzi (STB), sowie Armin Beer und Stefan Mohacsi (ATB). Die vorläufigen Ergebnisse wurden in einem White Paper zusammengefasst, das in Kürze auf der ISTQB-Homepage veröffentlicht werden soll. Dieser Blog bietet in 3 Teilen eine exklusive Vorschau auf die Inhalte.


Stefan Mohacsi

Stefan Mohacsi

Stefan Mohacsi ist seit vielen Jahren als Testmanager, Spezialist für Testautomatisierung, Forscher und Berater tätig. Er ist Vizepräsident des Austrian Testing Boards sowie „Distinguished Expert“ der Atos Expert Community. Er entwickelte das modellbasierte Testwerkzeug TEMPPO Designer, das viele Jahre erfolgreich als Kernkomponente des Testautomatisierungs-Frameworks der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) eingesetzt wurde.
Stefan verfasste ein Kapitel für Dorothy Grahams Bestseller „Experiences of Test Automation“ und hielt zahlreiche Vorträge auf bedeutenden Testkonferenzen. Als Mitglied einer internationalen Arbeitsgruppe untersucht er derzeit Möglichkeiten, Softwaretesten nachhaltiger zu gestalten.

Veröffentlicht: 10.2026

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